Der Mensch im Modell

15. Modellierungstag Rhein-Neckar

 5. Juli 2018 - 14:00 Uhr

 Mathematikon
Im Neuenheimer Feld 205
Konferenzraum 5. Etage
69120 Heidelberg

Konzept des Modellierungstags

Der Modellierungstag Rhein-Neckar eröffnet Praktikern und Wissenschaftlern die Gelegenheit, Innovationen zur Diskussion zu stellen, Gemeinsamkeiten und Unterschiede der verwendeten Modellierungsansätze herauszuarbeiten und den gegenseitigen Erfahrungsaustausch zu pflegen.

Der Modellierungstag Rhein-Neckar kann durch Sie aktiv mitgestaltet werden: Durch aktuelle Beiträge aus Ihrer Arbeit. Forschungs- und Praxisbeiträge sind gleichermaßen willkommen.

Die Veranstaltung wird von HGS MathComp und der Stadt Heidelberg organisiert sowie von der IHK Rhein-Neckar und der Industrie unterstützt.

Die Veranstaltung ist öffentlich. Der Eintritt ist frei. Um Anmeldung bis zum 1. Juli 2018 wird gebeten.

  Link zur Anmeldung

Thema: Der Mensch im Modell

Menschen machen Modelle interessant! Die immense Vielfalt von menschlichen Attributen, Verhaltensweisen oder Reaktionen sorgt aber auch dafür, dass die Modellbildung ungleich komplexer wird. Um beispielsweise einen Prozess im sozialen oder ökonomischen Leben realitätsnah abzubilden sollte ein möglichst exaktes Bild eines Menschen entworfen werden. Die Abwägung zwischen der Einfachheit eines Modells einerseits und seiner Aussagekraft andererseits stellt dabei eine der größten Herausforderungen dar. Wie gehen Modellierer sicher, dass die gewählten Ansätze nicht nur die jeweilige Forschungsfrage beantworten sondern auch allgemeine Gültigkeit besitzen?

Der Modellierungstag greift die spannende Frage nach der Bildung von „menschlichen Modellen“ auf und fördert den Austausch zwischen Forschern, Entwicklern und Anwendern. Beiträge aus unterschiedlichen Fachrichtungen liefern dazu Denkanstöße und Diskussionsgrundlagen.

Programm

14:00

Michael Winckler (IWR, Universität Heidelberg)

Begrüßung & Einführung

14:15

Christian König gen. Kersting (Alfred-Weber-Institut, Universität Heidelberg)

Entscheidungen unter Unsicherheit - Theorie vs. Praxis

14:45

Nadia Said (Psychologisches Institut / IWR, Universität Heidelberg)

Der Einfluss von kognitiven Parametern auf das Extraktionsverhalten in Common Pool Resource Dilemmas - Ein explorativer agentenbasierter Modellierungsansatz

15:15

Christina West (Urban Innovation - Stadt neu denken! e.V., Heidelberg)

Komplexität entziffern: Modellierung kollektiver und individueller (Wert-)Orientierungen und Analyse der Momente co-produzierter Urbanität als Grundlage einer transversalen Stadtentwicklung

15:45

Kaffeepause

16:15

Ulrich Reincke (SAS Institute GmbH, Heidelberg)

Modellierung des urbanen Raumes: Paradies oder Inferno des menschlichen Zusammenlebens?

16:45

Alexander Schubert (ORB / IWR, Universität Heidelberg)

Modellbasierte Analyse und Simulation von menschlicher Bewegung

17:15

Moritz Bellers (IBA Heidelberg, in Unterstützung mit der Stadt Heidelberg)

PHVision | (digitale) Herausforderungen bei der Planung der Wissensstadt von morgen

17:45

Abschlussdiskussion

18:00

Networking & Imbiss

Vorträge

Christian König gen. Kersting (AWI, Universität Heidelberg)

Entscheidungen unter Unsicherheit - Theorie vs. Praxis

Menschen treffen im privaten wie im beruflichen Umfeld unzählbare Entscheidungen. Viele  beinhalten Unsicherheit über das resultierende Ergebnis: Ist das Projekt erfolgreich? Zahlt sich die Investition aus? Gewinnt das Lotterielos? Ökonomen gehen üblicherweise davon aus, dass Menschen beim Treffen von Entscheidungen von ihren Präferenzen geleitet werden. Um Vorhersagen über Entscheidungen unter Unsicherheit treffen zu können, modellieren Ökonomen beispielsweise explizit Risikopräferenzen. Anhand eigener Studien wird aufgezeigt, wie ökonomische (Labor-)Experimente es uns erlauben, die Theorien zu testen und ihre Grenzen zu offenbaren.

 

Nadia Said (Psychologisches Institut / IWR, Universität Heidelberg)

Der Einfluss von kognitiven Parametern auf das Extraktionsverhalten in Common Pool Resource Dilemmas - Ein explorativer agentenbasierter Modellierungsansatz

Unsere Atmosphäre, Wälder oder das Meer stellen frei verfügbare Ressourcen (common pool resources) dar, die theoretisch von allen genutzt werden können. Häufig wird mit diesen jedoch nicht nachhaltig umgegangen, was beispielsweise in der Überfischung der Meere, oder Plünderung der Wälder resultiert und letztlich auch den Nutzern die Lebensgrundlage entzieht (tragedy of the commons). Dieser Beitrag beschäftigt sich mit der Frage was für einen Einfluss kognitive Parameter, wie beispielsweise Arbeitsgedächtniskapazität, auf das Entscheidungsverhalten von Menschen bei der Nutzung einer begrenzten Ressource haben.

 

Christina West (Urban Innovation - Stadt neu denken! e.V.)

Komplexität entziffern: Modellierung kollektiver und individueller (Wert-)Orientierungen und Analyse der Momente co-produzierender Urbanität als Grundlage einer transversalen Stadtentwicklung

Die Produktion von Urbanität in unseren Städten ist einem Wandel unterworfen, der mit etablierten Methoden und Modellen kaum noch zu fassen ist und der den Übergang in eine zunehmend transversale Gesellschaft spiegelt. Dieser Wandel kann zum einen als Veränderung grundlegender Wertorientierungen der Bewohner zu komplexeren und abstrakteren Orientierungen, zum anderen aber auch als eine Entwicklung urbaner Diskurse und der Produktion von Urbanität hin zu mehr Transgressivität und Co-Creation beobachtet werden und ist als Reaktion auf die Kontingenzen des Alltags und als reflektierter Widerstand gegen starre normative Zuschreibungen und Leitdifferenzen zu verstehen. In diesem Beitrag werden quantitative Modellierungen zu individuellen Wertorientierungen in Barcelona und Mannheim vorgestellt sowie Kategorien der grundlegenden Momente im Wissensdiskurs entwickelt, die das Bild einer transversalen Stadt in einer zunehmend transgressiven Gesellschaft zeichnen, die Veränderung des Urbanen greifbar machen und somit eine Co-Produktion des Urbanen, der Stadt, ermöglichen.

 

Ulrich Reincke (SAS Institute GmbH)

Modellierung des Urbanen Raumes: Paradies oder Inferno des menschlichen Zusammenlebens?

Der Mensch im Modell – ein Widerspruch in sich? Ja, denn er wäre kein Mensch, verhielte er sich anderen Menschen gegenüber nicht spontan, fahrlässig, irrational, sozial aber gelegentlich auch mit böser Absicht. In diesem Vortrag betreiben wir "Data Hunting" und evaluieren interaktiv eine neue Datenquelle zur Analyse von "Zwischenfällen" des menschlichen Lebens in urbanen Zentren und erstellen mittels Data Science, Machine Learning und Cloud Computing versicherungstechnische Risiko-Modelle der menschlichen Interaktionen innerhalb einer Stadt. Wir zeigen, dass sich auch „das Stochastische und Irrationale“ im Menschen zu einem gewissen Grade modellieren lässt. Inwieweit diese Art von Risikomodellierung in Zukunft durch die Modellierung des menschlichen Gehirns und Steuerung des menschlichen Wohlverhalten mittels Devices – also "das Modell im Menschen" – komplementiert oder gar abgelöst wird und welche gesellschaftlichen Folgen dies haben kann, können wir im Anschluss dieses Vortrags diskutieren. Denn die offene Frage ist: Wer definiert in Zukunft „menschliches Wohlverhalten“ und wer programmiert diese Devices?

 

Alexander Schubert (ORB / IWR, Universität Heidelberg)

Modellbasierte Analyse und Simulation von menschlicher Bewegung

Ein grundlegendes Verständnis der biomechanischen Grundlagen menschlicher Bewegung ist nicht nur für Anwendungen in Medizin und Sportwissenschaften relevant. Auch für die Beantwortung von Fragestellungen aus der Psychologie oder der Philosophie kann die modellbasierte Analyse und Simulation menschlicher Bewegung von großer Bedeutung sein. In diesem Beitrag werden die mathematischen Grundlagen der modellbasierten Bewegungsanalyse präsentiert und die Anwendung dieser Methodik in zahlreichen, zum Teil unerwarteten, Wissenschaftsfeldern vorgestellt.

 

Moritz Bellers (IBA Heidelberg GmbH)

PHVision | (digitale) Herausforderungen bei der Planung der Wissensstadt von morgen

Das Patrick-Henry-Village ist eine herausfordernde planerische Aufgabe: Die Fläche ist mit knapp 100 Hektar  fast so groß wie die Heidelberger Altstadt und größer als die anderen Konversionsflächen. Die Insellage des PHV erfordert intelligente Zukunftskonzepte in Sachen Mobilität, Städtebau, Freiraum und Infrastruktur. Bei der Planung der der Wissensstadt von morgen spielen digitale Modelle und Instrumente eine immer wichtigere Rolle. Welchen Einfluss haben diese auf die bauliche Gestalt der Stadt?

 

 

Organisation

Wenn Sie mit einem Vortrag aus Ihrer Arbeit berichten wollen oder wenn Sie sonstige Themenvorschläge haben, dann wenden Sie sich bitte an einen Vertreter des Programmkomitees.

Allgemeine Organisation:

  Prof. Dr. D.W. Heermann (IWR, HGS MathComp),   C. Mittelstaedt (IWR, HGS MathComp),   Dr. M. Winckler (IWR, HGS MathComp)

Themenbetreuung:

  Dr. M. Winckler (IWR, HGS MathComp)

Industriekontakte:

Dr. T. Schenk (IHK Rhein-Neckar)

Hinweis

Wir weisen darauf hin, dass auf unseren Veranstaltungen fotografiert wird und diese Fotos auf unserer Webseite veröffentlicht werden.