5. Fireside Chat

"Informatik als Geisteswissenschaft - Geisteswissenschaft als Informatik"

Termin:
19. Januar 2015, 17:00h
IWR, Im Neuenheimer Feld 368, Raum 514, 69120 Heidelberg

Gast:
Prof. Manfred Thaller, Universität zu Köln

Website:
  www.hki.uni-koeln.de/manfred-thaller-dr-phil-prof

Abstract:
Bei der letzten Jahrestagung der deutschen Fachvereinigung für die Digital Humanities bot die Eröffnungskeynote unter dem Titel „Informatik als Geisteswissenschaft“ eine Interpretation des Verhältnisses der Disziplinen an, die auf Grund methodischer Eigenschaften der Disziplinen aufzeigte, dass die Informatik den Naturwissenschaften - als Objektwissenschaften - nicht wirklich zuzurechnen sei. Während es einen klaren methodischen Unterschied zwischen den Natur- und den Geisteswissenschaften gäbe, gäbe es keinen wirklichen Grund, warum kein Nahverhältnis zwischen der Informatik und den Geisteswissenschaften möglich sein solle.

In der Tat scheinen mir epistemologisch die beiden Disziplinen weniger fremd, als man meinen sollte. Dazu die folgenden Thesen:

(1) Seit ca. 1960 gibt es einen Problembereich, in dem Vertreter beider Disziplinen versuchen, die methodischen Möglichkeiten der Anwendung der Techniken der Informatik auszuloten. Die Fortschritte sind langsam aber stetig.

(2) Diese Entwicklung wird von heftigen Ausschlägen einer Wellenbewegung überlagert, die von Konjunkturen und Krisen der Anwendung informationstechnischer Werkzeuge auf geisteswissenschaftlich relevante Materialgruppen geprägt ist. Die jüngste dieser Konjunkturen heißt „Digital Humanities“.

(3) Unabhängig von derartigen Konjunkturen gibt es Problemklassen, bei denen die Anwendung bekannter Techniken auf geisteswissenschaftliche Materialien die Grundlagen geisteswissenschaftlicher Arbeit handwerklich so gründlich umgestalten kann, dass sich für die Geisteswissenschaften methodische Konsequenzen ergeben, gleichzeitig aber Defizite der angewandten Techniken erkennbar werden.

(4) Diese Defizite rühren daher, dass die „Information“ auf denen die Geisteswissenschaften ihre Analysen gründen, eine Reihe von Eigenschaften hat – genuine Inkonsistenz und Unschärfe – die nur durch eine Verallgemeinerung von Annahmen der Informatik über die Grundlagen der Repräsentation von Information gelöst werden können.

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